Erste Jahre der Berufsfeuerwehr
Am 26. Mai 1872 verpflichteten sich 48 Männer, darunter Bauhandwerker, Schreiber, Bildhauer, Diener, Bäcker, Hutmacher, Schiffer, ein Musicus, Seidenweber und Zigarrenmacher, per Handschlag, sowie es bei Tagearbeiter damals üblich war, und unterschrieben die Bedingungen für die Annahme der Feuerwehr von Cöln. 

 

Am 2. Juni 1872 wurden 50 Männer in der Turnhalle des heutigen Friedrich-Wilhelm–Gymnasiums vereidigt und bezogen mit jeweils zwei Spritzen die Feuerwache Apostelnkloster und die Feuerwache im Rathaus, wo ihr Dienst 48 Stunden dauerte, und sie in ihrer 24-stündigen Ruhezeit die Pflicht hatten, ggf. Dienst zu leisten. Das Strafreglement für die Feuerwehrleute hatte 34 Artikel. Einer hiervon war z.B., dass das nächtliche Spielen auf der Feuerwache einen Thaler kostete. Schon damals mussten Ausrückezeiten eingehalten werden, tagsüber 1 ½ Minuten und nachts 2 Minuten. Für einige Feuerwehrmänner waren die Umstände der Feuerwehrarbeit wohl zu anstrengend oder sie hatten sonstige Gründe, so dass im Laufe der Zeit 33 auf eigenen Antrag, 2 wegen Trunkenheit, 2 wegen heimlichen Verlassens der Feuerwache, 2 wegen Nichterscheinen zum Dienst und 2 wegen achtungswidrigem Verhalten gegen Vorgesetzte die Feuerwehr verließen bzw. verlassen mussten. Im April 1873 forderte die Mannschaft, unterstützt durch den Branddirektor, eine Lohnerhöhung. Die Feuerwehrmänner wurden so schlecht bezahlt, dass bis Ende des Jahres 1873 146 Männer für die 50 Stellen eingestellt werden mussten. 

 1875 

Im November verließ Theodor Wienecke die Feuerwehr und verschwand spurlos. Branddirektor Edmund Brüllow aus Posen übernahm das Kommando der Feuerwehr Cöln. Mit seinen 33 Jahren verbesserte er die Situation und erreichte, dass die Knabenschule neben der Feuerwache Apostelnkloster zu einer Hauptfeuerwache umgebaut und 1881 bezogen werden konnte. Das bestehende Pompier–Corps wandelte er in eine Reservefeuerwehr um. Für die Angehörigen der Reservefeuerwehr wurden fünf Wohnhäuser gebaut, wo sie mit Ihren Familien wie in einer Kaserne wohnten.

 

 1877

 Bei einem Brand der Kavallerie–Stallungen in Deutz am 20 Juni kam der Feldwebel Massaloup zu Schaden. Die Mitglieder der Berufsfeuerwehr mussten zu diesem Zeitpunkt sogar bei Dienstunfällen für Ihre Medikamente und Arztkosten selber aufkommen. Eine geringe Hilfe gewährte nur die gemeinsame Unterstützungskasse der hiesigen Feuerwehr zu Cöln, in die jeder einen Beitrag einzahlen musste. Des Weiteren flossen die Strafgelder, Erlöse aus dem Verkauf des Pferdemistes oder die Gratifikationen nach Bränden von Hausbesitzern, Versicherungen oder Nachbargemeinden, denen überörtlich geholfen wurde, in die Kasse. In der Stadtverordneten – Versammlung des Monats Juli, beschloss man, die jährlichen Kosten von ca. 400 Mark aus der Stadtkasse zu bezahlen und die Unterstützungskasse zu verwahren und rentbar anzulegen. Ab dem 24. September 1877 waren die Mitglieder der Berufsfeuerwehr gegen Unfälle versichert. 

 

 1881

 Der erste tödliche Dienstunfall der Feuerwehr zu Cöln war am 7. Juli zu beklagen. Bei der Übung mit der Hakenleiter hatte der 33 Jahre alte Oberfeuerwehrmann Schuhmacher das dritte Stockwerk des Steigeturms der Hauptfeuerwache erreicht, als dich die Leiter vom Gesims löste.

 1885

 Der Einsturz der beiden Häuser Holzmarkt 75 und 77 sorgte am 24. Juli für großes Aufsehen in ganz Deutschland. Zum Zeitpunkt des Einsturzes, der Mittagszeit, hielten sich 69 von 100 Bewohnern in den Häusern auf, als plötzlich die Trennwand der beiden Häuser einstürzte. 11 Bewohner standen auf einem ca. 1m breiten Fußbodenstreifen beim eintreffen der Feuerwehr. In 52-stündiger Arbeit befreiten die Feuerwehr und das hinzugerufene Militär 39 Personen aus den Trümmern. Leider musste man 6 Tote beklagen.

 

 1887

 Auf der Hauptfeuerwache ging im Jahr 1887 die erste Dampfspritze in Betrieb, deren Personal bei der Hauptwerkstatt der Eisenbahndirektion in Nippes ausgebildet worden war.

 

 1888 – 1890

Durch die Eingemeindung wuchs Köln um das Zehnfache und war somit flächenmäßig die größte Stadt im Deutschen Reich. Durch das rasante Wachstum der Stadt war ein Neubau der Hauptfeuerwache unumgänglich. In der Stadtverordnetenversammlung im Januar 1888 wurde der Grundsatzbeschluss für die dritte Feuerwache gefasst. Im April kaufte die Stadt das benötigte Grundstück, die Entwurfsplanung wurde im Juli genehmigt und der Baubeschluss erfolgte im Dezember. Am 15. September 1890 konnte die neue Hauptfeuerwache an der Melchiorstraße ihren Betrieb aufnehmen. Da der Branddirektor auch für den Fuhrpark, die Straßenreinigung, die Nachtwächter und die Arresthäuser zuständig war, enthielt die Hauptfeuerwache auch Gebäude und Ställe für die verschiedenen Aufgabenbereiche und der Branddirektor musste ein Budget von 868.000 Mark verantworten.



1897

Am 1. Juli feierte die Feuerwehr zu Cöln ihr 25jähriges Jubiläum. Der Stadtverordnete Liebmann nutze diesen Anlass, um die Schaffung der Feuerwehr- Unterstützungskasse bekannt zu geben. 28 angesehene Kölner Bürger sammelten innerhalb von sechs Wochen 21.000 Mark, die dem Fond hinzugefügt wurden.

 

Von diesem Fond sollten Feuerwehrmännern und deren Familien geholfen werden, falls „Not und Sorge an sie herantreten sollten“. Verwaltet wurde der Fond vom Branddirektor und der vierköpfigen Feuerwehr-Commission, die jährlich einen von der Feuerwehrmannschaft gewählten Vertrauensausschuss beriefen.

 

 1899

 Am 9. März entschieden die Stadtverordneten, dass die Berufsfeuerwehr den Krankentransport übernehmen sollte und stellte ihr zwei Krankentransportwagen zu Verfügung. Der Hamburger Wagen mit einer ständigen Besatzung von drei Feuerwehrmännern war auf der Feuerwache Apostelnkloster und der  Münchener Wagen auf der Hauptfeuerwache stationiert. Ein dritter, älterer Wagen wurde für ansteckende Krankheiten eingesetzt. Die Beladung eines solchen Krankenwagens bestand aus einem Verbandkasten, einer Wolldecke, Strohschienen, einem Speibecken und einem Trinkgefäß. Ein Arzt vermittelte 20 Feuerwehrmännern Kenntnisse über den menschlichen Körper, die Verbandslehre sowie das Heben, Tragen und Niederlegen von kranken Menschen. Vier Jahre nach Übernahme des Krankentransportes konnte man in einem Jahresbericht lesen, dass 3.672 Transporte durchgeführt worden waren.


Krankenwagen 1899 - Köln

 Im Jahr 1899 trat Branddirektor Schoebel die Nachfolge von Branddirektor Brüllow an. Einer seiner ersten Aufgaben war die Feuergefahr im Rheinauhafen, die durch rasch gebaute Lagerhallen, ein Spirituslager und zwei dampfbetriebene Sägewerke gegeben war. Nachdem ein Speicher mit 60.000 Sack Getreide vollständig abgebrannt war, entschied der Rat der Stadt, eine Feuerwache im Hafen zu bauen. Diese wurde am 24. Mai 1902 in Betrieb genommen. Tagsüber versahen drei Feuerwehrmänner und nachts fünf Feuerwehrmänner dort ihren Dienst.

 Im gleichen Jahr erhielt die Feuerwehr zu Cöln ein elektrisch angetriebenes Löschfahrzeug, das eine Geschwindigkeit von 16 Km/h erreichen konnte. Es war bewusst auf die Geschwindigkeit der pferdebespannten Feuerwehrfahrzeuge beschränkt. Zwei Jahre später erhielt die Feuerwache Rathaus den ersten automobilen Löschzug. Die Fahrzeuge wurden mit Dampf betrieben und von der Firma Magirus hergestellt.

 Ein Wohnungsbrand in Ehrenfeld mit fünf Brandtoten zeigte, dass noch viele Verbesserungen im Brandschutz von Nöten waren. So wurde im Depot der Freiwilligen Feuerwehr in der Gutenbergstraße eine Feuerwache und im gleichen Jahr im Pferdebahndepot Auguststraße in Nippes eine weitere Feuerwache eingerichtet. 

 1904

 Am 25. November wurde eine für die damalige Zeit hochmoderne Feuerwache  eröffnet. 18 Sekunden vergingen zwischen Alarm und Ausrücken. Durch das Umlegen eines Hebels konnte das elektrische Licht in allen Räumen der Wache eingeschaltet werden und parallel öffneten sich die Ausfahrtstore und Stalltüren. Die entsprechend abgerichteten Pferde liefen sofort zur Wagendeichsel und waren durch einen Handgriff im Geschirr.


Automobiler Löschzug Feuerwehr Köln

Nach der Eingemeindung von Kalk und Vingst wurde die Feuerwache Deutz vor dem 1. Weltkrieg als letzte Feuerwache in Betrieb genommen. Der Inhaber der Cölner Electromobil–Werke Heinrich Scheele lieferte den gesamten Löschzug. Durch die Inbetriebnahme der Wache konnte die Reservefeuerwehr aufgelöst werden. Die durch den Stadtrat beschlossene Feuerwache Lindenthal konnte zwar begonnen werden, jedoch mussten die Arbeiten während des Krieges eingestellt werden.

Der Weltkrieg brachte große Härten für die Berufsfeuerwehr. Köln verwandelte sich als preußische Garnisons- und Festungsstadt in ein großes Heerlager. Von den 200 Feuerwehrmännern wurden 74 und von den 6 Offizieren 4 zum Heer eingezogen. Drei große Luftangriffe töteten zahlreiche Menschen und zerstörten Gebäude in Köln. Bei Kriegsende waren viele Fahrzeuge der Feuerwehr nicht mehr betriebsbereit, da viele Ersatzteile fehlten. Vor allem gab es große Schwierigkeiten, Gummireifen zu bekommen.